Bricht das Blaue Wunder in Dresden vor unseren Augen zusammen?

Denis Bartelt in Historie 15.09.2009

Dresden ist brückengeschädigt ganz klar, die hässliche Waldschlösschenbrücke ist noch gar nicht ganz fertig, da werden Stimmen zum Zustand des Blauen Wunders wieder laut. Welche Alternativen hier stehen, sollte früh geklärt werden.

Die Waldschlösschenbrücke

Ich bekenne mich seit jeher zum Bau einer Brücke an dieser Stelle. Wofür ich jedoch kein Verständnis habe, ist dass die Entscheidungsgremien, die für den lächerlichen Entwurf der in Bau befindlichen Brücke gestimmt haben, keinen "Ar..." in der Hose hatten, ein wirkliches Highlight zu plazieren. Wenn Kontroverse entsteht, weil ein Bauwerk so lieblos, so normal, so völlig unpassend ist, dann läuft ja schlichtweg etwas falsch da oben. Offensichtlich mag keiner seinen Posten riskiert haben, nur für eine Brücke die etwas überraschender ist.

In Dresden ist es leider so, dass gesetzer Konservativismus herrscht, modernste Architektur wird an vielen wichtigen Standorten schlichtweg unter Vorwand neobarocker Gedanken wegmodifiziert. Dafür gibt es einige Beispiele. Aus diesem Grund steht Dresden heute auch ohne herausragende Architektur da, mal abgesehen von der Jüdischen Synagoge und dem Militär Museum. In Meinen Augen ein ganz klares Defizit, was die nächsten Generationen bemängeln werden und dem Tourismus in Dresden heute schon massiv schadet.

Das Blaue Wunder

Es war ein Wunder seiner Zeit und wurde auch auf das heftigste kritisiert, aber nicht weil es so lieblos, so langweilig war, sondern weil sich die Menschen schlichtweg nicht vorstellen konnten, dass dieses Wunder wirklich hält, was es verspricht.

Heute zählt das Blaue Wunder und die beiden angrenzenden Plätze zu den schönsten Ecken Dresdens. Schillerplatz und Körnerplatz sind nicht nur ein Tipp in Bezug auf Biergärten und Gastronomie. Hier ist ein Stück Dresden um 1900 bewahrt geblieben, weil es dem Bombardement im Zentrum entkommen konnte. Auch die Neubauten fügen sich überraschen gut in den Kulisse ein.

Fotovon Denis Bartelt

Was dazu nicht passt ist der Verkehr. Am Blauen Wunder tröpfelt der massenhafte Verkehr täglich in geringen Dosen. Die Brücke muss seit Jahren mehr aushalten, als ihr möglich ist. Die Kreuzungslage ist nicht für den heutigen Verkehr ausgelegt. Wartezeiten um 16.00 Uhr zur Querung der Elbe Richtung Loschwitz liegen bei locker 15-30 Minuten, für nur wenige hundert Meter vor der Brücke.

Und dann läuft der Brücke die Zeit davon, bzw. nagt die Zeit daran. 2025 läuft der aktuelle TÜV aus. Jährlich müssen viele Reparaturen durchgeführt werden. Der Stahlkoloss, macht so sein Probleme. Trotz zu erwartender Entlastung durch die Brücke am Waldschlösschen, wird die Belastung auch in Zukunft sehr groß sein.

Deshalb wird jetzt über Alternativen gesprochen, was ich gut und wichtig finde:

  • Abriß und Neuaufbau (klingt wie eine halbgute Lösung)
  • Modernisierung, Reparaturen (im Grunde nur eine Verzögerung)
  • eine parallele Bücke für Autos (Oh Gott, wo und wie soll das aussehen)
  • ein Tunnel (einfach heimlich alles durchleiten, klingt gut!)

Alle Varianten werden AberMillionen verschlingen, darin besteht kein Zweifel. Das die Lebensader auf dieser Seite von Dresden weiter pulsieren muss, ist jedoch auch gewiss.

Aus meiner Sicht muss die Brücke für Autofahrer geschlossen werden!

Einen Tunnel aus Richtung Loschwitz bis weit hinter den Schillerplatz stadteinwärts, halte ich für die optimale, wenngleich teuerste Lösung. Der Vorschlag kommt von Joachim Stübner dem Vizechef der Ingenieurkammer Sachen und ist tollkühn und visionär, weil er den gesamten Streckenverlauf von Weißig bis zum großen Garten verändern könnte. In meinen Augen braucht es genau solche Vorschläge, um Dresden endlich aus seinem Schlaf zu holen, der bis weilen zu grandiosen Fehlentscheidungen führte.

Refinanzierung des Tunnels durch Maut

Für die Refinanzierung halte ich eine Maut (wie beim Blauen Wunder damals auch) für für angemessen. Der Tunnel spart allen Autofahren so viel Sprit und Zeit, dass es kaum Diskussionstoff geben sollte. Natürlich in Form einer Jahresplakette und Kurzfahrtickets.

Markt auf dem Blauen Wunder

Für das Blaue Wunder schlage ich eine Art Marktbebauung vor. Ähnlich dem Ponte Veccio in Florenz. Fest installiert Buden/Läden im Stil der Brücke, würden eine perfekte Verbindung zwischen den Stadtteilen herstellen und jährlich viele tausende Besucher anlocken. Durch die Mietfläche kann die Brücke jährlich in Stand gehalten werden, oder zumindest ein Teil davon.

Ponte Veccio Foto von Radomil