Einblick in unsere UX-Schmiede

Raja Mollitor in News 29. October 2018

Vor einigen Wochen erreichte uns eine Anfrage vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV, welche die Augen unserer UX'ler zum Leuchten brachte: Es soll ein selbstlernendes Assistenzsystem entwickelt werden, welches Maschinenbedienern das Lösen von Störungen vereinfacht. Die künstliche Intelligenz dahinter entwickelt Fraunhofer und wir konzipieren das "Sichtbare" davor, dass optimal auf den tatsächlichen Nutzer angepasst sein soll.

Wir starteten das Projekt mit einem Design Thinking-Workshop, gemeinsam mit dem Kunden, Programmierern und einer Psychologin. Sie hatten bereits Erfahrungen mit dem Ablauf, den Menschen und der Hard- und Software in den Lebensmittel- und Verpackungsfabriken gesammelt. Es ging uns zunächst darum, den Wissensstand abzugleichen, Ziele zu formulieren, bekanntes und unbekanntes Wissen zu erfassen.

Gemeinsam erstellten wir eine STAKEHOLDER MAP, auf der alle internen und externen Personen und ihr Einwirken auf das Projekt abgebildet werden. Sie ist nützlich, um den Prozess immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und überprüfen zu können.


Tina und Raja bei der Konzeptarbeit 

Unsere Wände werden zu analogen XXL-Boards 

In einer USER JOURNEY, der Reise des Nutzers, definierten wir gemeinsam die einzelnen Etappen, die ein Maschinenbediener durchläuft, während er Fehler in der Produktion behebt. Schnell füllte sich die Wand mit Post-its und formte so einen schlüssigen Ablauf. Wir notierten Hindernisse/Probleme, Ideen, Gefühle und Touchpoints.

Eine gezielte Fragestellung, die die Erkenntnisse der Recherche vereint, dient als optimale Ausgangslage zur Ideenfindung. Also haben wir unseren Workshop durch die Formulierung einer HOW MIGHT WE Frage abgerundet. Während des gesamtes Prozesses kann diese Fragestellung immer wieder vor Augen geführt werden. Sie soll inspirieren und einen Ankerpunkt bieten.


Nun ging es nach draußen, in die reale Welt: Wir führten NUTZERINTERVIEWS in 3 verschiedenen Produktionsfirmen aus der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie durch. Genau an den Orten, wo das Bediener-Assistenzsystem (Arbeitstitel SAM) zum Einsatz kommen soll. Die Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen beantworteten unsere Fragen, gaben uns einen Einblick in ihren Arbeitsalltag und zeigten sich auch sehr interessiert an dem, was wir vorhaben.

Wir gewannen aus den Interviews zahlreiche Erkenntnisse zu Webaffinität, Motivation und Belohnung, optische und akustische Hindernisse während der Arbeit, bevorzugte Endgeräte der Nutzer. Ganz wichtig ist auch zwischen den Zeilen zu lesen und unser Gegenüber genau zu beobachten. So konnten wir bestimmte Persönlichkeiten erkennen und in Gruppen einordnen.

Stefan, Barbara und Katrin wurden so nicht nur zu Interviewpartnern, sondern zu PERSONAS, deren Steckbrief wir immer wieder für Rückfragen im Prozess nutzen können, um unsere Ideen zu bewerten: „Würden die ungeduldige Katrin oder der fleißige Stefan diese Funktion nutzen?“




Mit Scribbles nähern wir uns dem Prototypen Nach viel Analyse, Recherche und Kennenlernen ging es nun ans „Eingemachte“.

Durch Erstellen eines FLOWCHARTS (Flussdiagramm) haben wir den Prozess der Software visualisiert, vom Login bis zum Logout. Das hilft Probleme schon frühzeitig zu erkennen und Korrekturschleifen zu vermeiden, wenn Prozesse nicht bis zum Ende durchdacht sind.

Die Grundfunktionen der Software kristallisierten sich heraus und Ideen für Features wurden auf einer Liste priorisiert. Darauf basierend zeichneten wir SCRIBBLES als Storyboards, die die Ansicht in einem ersten Interface darstellen. Sie waren die Basis für den interaktiven PROTOTYPEN auf einem Tablet, mit dem wir nun zum nächsten Schritt übergehen werden: Ausprobieren!


In den nächsten Wochen werden wir erneut zu den Produktionsfirmen fahren und dort unsere Interviewpartner den ersten Entwicklungsstand TESTEN lassen. Hier wird sich zeigen, ob wir auf dem richtigen Weg sind – eine erste Feuerprobe – was wird verstanden, was nicht, Feedback sammeln.
In allen Phasen ist die Einbeziehung des Auftraggebers ein wichtiger Aspekt, um von seinem umfangreichen Wissen zu profitieren und mit ihm gemeinsam an seiner Idee zu feilen.


Wie es weitergeht, wie die ungeduldige Katrin und der fleißige Stefan reagiert haben?

Stay tuned, ich werde berichten.